das war ein harter Kampf, der aber riesig Spaß gemacht hat und mir deshalb auch in toller Erinnerung bleiben wird.
Das kann ich nicht von jedem Titel sagen. Um diesen musste ich halt gestern extrem kämpfen und lange habe ich nicht mehr solch ein Rennen wie gestern gehabt, da das Rennen quasi im Spurt auf den letzten 100m entschieden wurde. Früher habe ich diese Rennen geliebt!
Aber was heißt früher, so alt bin ich auch wieder nicht, eigentlich im besten Rennalter, aber ich kann echt schon auf eine lange Laufkarriere mit viel Höhen, aber auch einigen Tiefs zurückblicken! Immer wieder neue Situationen auf die man sich einstellen muss. Aber das macht diesen Sport ja aus und es auch jedes Mal so spannend.
Sagen wir mal „früher“ habe ich immer Irina Mikitenko, die mittlerweile erfolgreich auf der Marathondistanz zuhause ist, gejagt, wenn sie am Start über 5000m oder 10000m war und nur einmal hatte ich 2006 das Nachsehen oder sie war nicht am Start und ich konnte mangels Konkurrenz ein einsames Rennen gegen die Uhr und mich laufen. Ich kann mich aber noch gut an die DM 2004 in Braunschweig erinnern, als ich wieder auf „Mikitenko“-Jagd war und laut Papier nicht gewinnen hätte können, aber ich versuchte so lange an ihr dran zu bleiben, wie ich konnte, sie zog dann zwei Runden vor dem Ziel zum finalen Endspurt und ich musste eine Lücke reißen lassen! Eine Runde vor Schluss kam ich aber doch noch an sie ran und 100m vor Schluss war ich mit ihr auf Augenhöhe und biss die Zähne zusammen und spurtete um mein Leben zum Sieg. Unvergesslich und deshalb habe ich das Rennen noch genau vor Augen als wäre es gerade gestern gewesen.
Und nun zu gestern, da hatte ich zum ersten Mal mit einer ganz anderen Situation zu kämpfen. Ich bin nämlich mittlerweile die Gejagte und seit letztem Jahr ist endlich mal ein Ruck durch die Laufszene gegangen und es haben sich einige Mädels zu ernsthaften Gegnerinnen für mich entwickelt. Sie sind jung und frisch und können „spurten“, was ich bis gestern dachte, dass ich es nicht mehr so gut kann, gerade auch nach meiner Verletzung.
Da ich am Dienstag noch eine Leistungsdiagnostik in Leipzig gemacht habe, die sehr vielversprechend war und auch der Tempolauf am Nachmittag, wo ich 2000m in 5:57 min absolvieren konnte, entschieden wir uns bei der DM mindestens eine Zeit von 15:30 min laufen zu wollen. Eigentlich auch machbar, eigentlich! Es wurde Donnerstag, ich war immer noch müde in den Beinen, aber das ist meist so, zwei Tage nach der Belastung. Es wurde Freitag und immer war ich noch nicht frisch, also früh ins Bett und Samstag wird ausgeschlafen! Das tat ich auch, aber der Körper und meine Beine waren immer noch nicht wirklich frisch.
Egal, den Start konnte man ja jetzt wegen meiner fehlenden Frische nicht verschieben, nur wusste ich, es wird nicht einfach! Im Kopf behielt ich aber meine Taktik! In Wattenscheid angekommen, das Wetter war mit 19 Grad und Nieselregen optimal, nur überraschte mich ein ganz schöner Wind! Naja, auch egal, weiter positiv denken! Als meine stärkste Gegnerin sah ich an diesem Tag Maren Kock, die Jahresbeste über 5000m und mit 15:27 min qualifiziert für die EM in zwei Wochen. Sie hat die nötige Ausdauer und kann blendend spurten! Ich wurde immer nervöser aufgrund des Windes und stellte meine Taktik um, erstmal bis 2000m schauen, was die Mädels machen und dann versuche ich mich mit einer Tempoverschärfung zu lösen. Der Startschuss fiel fast pünktlich um 17:42 Uhr und ich hatte meine Augen gut hinter meiner RudyProject-Brille versteckt. Das war auch gut so, denn die erste Überraschung folgte, als Eleni Gebrehiwot vom TV Wattenscheid direkt nach 100m nach vorne ging und für Tempo sorgte. Ach, an die hatte ich gar nicht mehr gedacht, da sie länger verletzt war. Ok, dachte ich mir, dann wechsel ich mich mit ihr ab, dann muss ich nicht alles alleine machen und wir kommen weg vom Rest des Feldes! Der Plan ging auch auf! Ab 2500 sah ich oben auf der TV-Leinwand, dass wir Maren Kock abgeschüttelt hatten. Vielleicht war es einfach nicht ihr Tag. Jetzt liefen nur noch Eleni und Lisa Hahner, die ein sehr starkes Rennen lief, hinter mir, also konnte ich ja beruhigt zum Angriff blasen und versuchen eine schnelle Entscheidung herbeizuführen! Aber meine Beine gaben einfach nicht mehr her! Ich fühlte mich nicht wirklich am Anschlag aber ich konnte auch nicht mehr als 76 Sekunden pro Runde anbieten, was ich zwei Wochen vorher noch über die 10000m gelaufen bin. So kam ich natürlich nicht weg! Auch 1000m vor Schluss fehlte mir noch der Antrieb, jetzt schon wegzustiefeln, da ich merkte Eleni ist noch frisch. Also, musste das kommen, was ich unbedingt vermeiden wollte! Ein Schlussspurt! 200m war Schluss, Eleni spurtete los und überraschte mich mit einer enormen Tempoverschärfung, wo ich eine Sekunde gedacht habe, „jetzt ist das Rennen gelaufen, du kannst nicht mehr“! Aber auch nur eine Sekunde, denn in der anderen Sekunde fiel mir ein, dass Lisa mir vor dem Rennen noch liebe Grüße von Sören Kah bestellt hatte, der gemeint hat, ich würde das Rennen gewinnen! Tja, also schaltete ich doch noch einmal ganz schnell den Hebel in meinem Kopf um und versuchte an Eleni dranzubleiben um dann auf den letzten 100m noch mal alles zu geben! Ich schaffte es dann an ihr vorbeizukommen, aber sie konterte, „Wahnsinn“, dachte ich, also weiterkämpfen und es sollte dann reichen! Ich hatte es noch mal geschafft und war glücklich als Erste in 15:47 min im Ziel!
Mal wieder bewahrheitet sich der Spruch, dass die meisten Rennen mit dem „Kopf“ und nicht „nur“ mit den Beinen entschieden werden.
Nach einer fast schlaflosen Nacht, stehen jetzt zwei Regenerationstage an und dann folgt noch mal ein kurzer Trainingsblock! Schlag auf Schlag geht es dann jetzt Richtung Olympia mit einem wunderbaren Zwischenstopp am 01.Juli in Helsinki, wo ich bei den Europameisterschaften über 10000m an der Startlinie stehen werde. Diesmal aber mit frischen Beinen und ganz viel Köpfchen!
Bis nächste Woche
Eure Mocki
Und hier noch einige Links zum Rennen:
www. leichtathletik.de
www.leichtatheltik.de
www.zdf.de