Oft habe ich in diesem Bereich einige Schwachpunkte, aber zurzeit ist es unumgänglich “mental” stark zu sein.
Warum komme ich darauf? Seit Dienstagnachmittag befinde ich mich nach einer sehr langen Reise über Amsterdam, Nairobi und 6 Stunden Autofahrt in einem heißen Bus im Läufer-Mekka von Kenia, Iten! Hier wird gelaufen was das Zeug hält, aber nicht nur die besten Kenianer der Welt trainieren hier, sondern auch viele Weltklasse-Läufer aus der ganzen Welt bereiten sich hier in 2400m Höhe über dem Meeresspiegel auf die bevorstehende Olympia-Saison vor. Ich bin mit der Gruppe von Wolfgang Heinig hier und die Mädels wie Gesa Krause und Anna Hahner sind ganz schön fit und um einiges fitter als ich. Ich weiß aber noch genau, dass ich vor 7 Wochen noch nicht wirklich wusste, ob ich überhaupt mit nach Kenia konnte. Die Höhe stellt ja auch immer ein gewisses Risiko dar und jeder Mensch reagiert anders auf den Reiz. Ich bin natürlich in der Aufbauphase und in einer anderen als es die Mädels schon sind. Und das meine ich mit mentaler Stärke... Viel lieber würde ich mit den Mädels mitrennen, aber das geht nach 4 Wochen Training natürlich nicht, somit ist hier mentale Stärke gefragt. Vor zwei Wochen hatte ich in Leipzig deshalb eine Leistungsdiagnostik, um genau die Bereiche festzulegen, die ich hier oben laufen darf und daran halte ich mich. Nicht nur die Frisur hält, sondern auch mein linker Fuß und ich bin unendlich glücklich, dass die Verletzung überstanden ist. Auch meine Anfangsprobleme, wie schmerzende Schienbeine, die bestimmt jeder Laufanfänger kennt, sind so gut wie weg und das Laufen wird von Tag zu Tag immer runder und leichter. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so gut gefallen würde hier, aber es ist wunderschön und in dem Camp wo wir untergebracht sind, gibt es sehr gutes Essen und der Standard ist westlich. Als ich letzten Donnerstag vom Stadion auf dem Weg zum Camp war, welches ungefähr einen Fußmarsch von 15 min entfernt ist, lief uns ein kenianischer Junge hinterher und wollte meine leere Wasserflasche haben. Ich gab ihm sie natürlich und er freute sich wie ein König darüber. Das sind natürlich Momente die man hier erlebt, die einen prägen und auch noch mal erden, wie gut man es doch eigentlich hat. Ich sehe aber fast nur lachende Kinder, die am Rand unserer Trainingsstrecken stehen und “How are you” rufen und sich freuen, wenn man “ I´m fine” zurückruft. Auch wenn man schon angestrengt in die Röhre schaut.
Bisher war aber noch alles gemächlich bei mir, außer am Samstag ein schnellerer DL von 10 Km in 38:58 min! Woran ich mich noch gewöhnen muss, ist der morgendliche Auftakt, den die Gruppe fast jeden Morgen um Punkt 7 Uhr macht. Aber wenn man dann erst mal am Laufen ist, macht es unheimlich Spaß in der aufgehenden Sonne zu laufen und noch die unverbrauchte Luft zu genießen. Die meisten Kenianer sind dann schon fertig mit ihrem ersten “Workout”. Das Frühstück macht dann noch mehr Spaß und man kommt dann noch auf einige Kilometer mehr in der Woche! Ich habe meine Woche mit 130 Km abgeschlossen und bin nach 68Km, 88Km und 102Km in der vorletzten Woche schon mächtig stolz drauf, dass ich das nach vier Wochen schon wieder kann! Zusätzlich habe ich auch noch alternativ auf dem Rad trainiert, weiterhin meine Stabi gemacht und viel gedehnt. Der Mensch ist aber meist von Natur aus unzufrieden und vergisst, was er sich vor drei Wochen noch gewünscht hätte, jetzt hat und dann aber schon wieder mehr will. Das sehe ich aber zurzeit auch ganz locker und bin wirklich mit meinen riesigen Schritten nach vorn sehr zufrieden und freue mich auf eine neue schöne Trainingswoche in Kenia! Bis nächste Woche
Eure Mocki
PS.: Auf dem Bild seht ihr den Blick aus meiner Tür über einen Teil des Camps morgens um 7 Uhr! Von mir gibt es erst ein Bild, wenn ich noch mehr Farbe getankt habe.