da ich so mit allem nicht gerechnet habe. Deshalb steht auch nicht in der Überschrift, dass ich gestern in Marburg meinen 33. Deutschen Meistertitel und somit den insgesamt achten über 10000m gewonnen habe. Die Zeit von 32:24 min, die ich benötigte, um mir den Titel vor Simret Restle-Apel zu ergattern war zwar schon wichtig, aber auch nicht so entscheidend, dass ich deshalb eine schlaflose Nacht hinter mir habe. Entscheidend für mich war ganz klar, wie ich gelaufen bin, da ich von Anfang an ein super Lauf-Gefühl in den Beinen hatte und nach der ersten Runde wusste, das Ding wirst Du heute gewinnen. Du kannst wieder was! Aber der Reihe nach…
Das man nach so einer Verletzungsphase nicht vor Selbstbewusstsein strotzt, ist verständlich! Letzte Woche der Einstieg über 5000m hat mir zwar schon ein wenig gezeigt, dass ich große Fortschritte gemacht habe, aber im Hinblick auf die Olympia-Norm zeigte dies nur, dass mein Weg noch sehr weit wird. Nun, das Rennen war letzte Woche nicht ideal und aus einer harten Trainingswoche, aber trotz allem war das kein „Knaller“, der mich unbedingt gestern in die Favoriten-Rolle gerückt hätte. Ich wusste, dass Simret Restle-Apel meine ärgste Gegnerin sein würde. Vorher hatte sie schon zum Angriff auf den Titel und die EM-Norm von 32:50 min geblasen und das auch nicht zu unrecht, da sie sich im letzten halben Jahr sehr gut entwickelt hat. Somit stand bis kurz vor dem Rennen meine Taktik fest, so lange wie möglich hinterher laufen und dann versuchen zum Schluss den Titel zu holen. Von vorne kann man ein Rennen nämlich nur gewinnen, wenn man total überlegen ist. Der Startschuss fiel und los ging es. Überraschend hatte ich auf Bahn 1 einen guten Start erwischt und befand mich direkt an der Spitze des Feldes. Ja gut, dachte ich, kannst ja mal ein bisschen was machen und dann versteckst Du Dich wieder, da es auch ein wenig windig auf der Gegengeraden war. 77 Sekunden benötigte ich für die erste Runde und war überrascht, wie leicht das ging, also blieb ich erst mal vorne, bis mein Trainer Carsten Eich rief, dass ich jetzt auch Simret mal was machen lassen sollte. Es dauerte auch nicht lange, da waren wir ein einsames Duo an der Spitze. Nach gut zwei Runden machte ich dann innen auf und lies Simret vor. Meist wurden die Runden aber etwas langsamer, wenn sie vorne war, dann ging ich wieder vor und so wechselten wir uns eigentlich fast ständig ab. Ab 6000m versuchte ich dann schon von vorne auch mal weg zu kommen um mich zu lösen, aber es gelang mir noch nicht und Simret überraschte mich nochmals mit einem kleinen Zwischenspurt. Ok, dachte ich, wenn das so ist, dann wieder Taktik Hinterherlaufen und Abwarten. Aber dafür fühlte ich mich einfach zu gut, also probierte ich es nach 7500m nochmals und jetzt konnte ich mich durch eine schnelle Runde von 75 Sekunden endlich entscheidend lösen und sicher zum Titel und noch einer guten Zeit laufen. Simret lief als Zweite zweifelsohne auch ein starkes Rennen und konnte in neuer Bestzeit von 32:41 min das EM-Ticket lösen.
Lange habe ich nicht mehr so ein Rennen gehabt, wo man sich so gut fühlt, agieren kann, aber auch reagieren und es einfach mal rollen lassen kann. Einfach toll! Dieses Gefühl und das neu gewonnene Selbstvertrauen nehme ich jetzt mit nach Sankt Moritz, wo es ab Freitag mit meinem Bruder Markus für drei Wochen ins Höhentrainingslager geht. Am 03. Juni werde ich dann voraussichtlich beim Europa-Cup über 10000m in Bilbao an den Start gehen. Dann werden wir sehen, ob ich dort schon den entscheidenden Schritt Richtung Olympia-Norm machen kann oder ob sie erst bei der EM in Helsinki fallen wird.
Auf jeden Fall bleibt es spannend.
Eure Mocki